Kontrollfrage 4: Bestellmanagement mit / ohne Unsicherheit

Wo liegen die Unterschiede zwischen eine Bestellmanagement ohne bzw. mit Unsicherheit in der Nachfrage?

Unsicherheit in der Nachfrage zwingt ein Unternehmen, einen Lagerbestand zu halten, der diese Schwankungen ausgleichen kann. Für das Bestellmanagement bedeutet dies, dass nicht immer jene Menge bestellt wird, die dann effektiv nachgefragt wird. Dies kann zu grossen Schwankungen im Lager führen, was wiederum hohe Kosten (z.B. Fixkosten um ein Lagehaus für alle Fälle zu unterhalten) führen. Es ist daher ein Ziel, möglichst genau über die Nachfrage bescheid zu wissen. Ist die Nachfrage nämlich konstant, kann die Bestellmenge genau darauf ausgerichtet werden. Im Extremfall braucht das Unternehmen kein Lager mehr, sondern bestellt im Sinne von JIT (Just-in-Time) immer gerade soviel, wie es für die bekannte Nachfrage gerade braucht. Gibt es keine Schwankungen in der Nachfrage muss das Unternehmen nämlich nicht befürchten, plötzlich eine bestehende Nachfrage nicht mehr befriedigen zu können.

~ von mrohner am Mai 28, 2008.

3 Antworten to “Kontrollfrage 4: Bestellmanagement mit / ohne Unsicherheit”

  1. JIT ist eine Philosophie, die nicht nur Lagerbestandsreduzierung in Verbindung gebracht werden kann. Zu JIT gehört:
    1) Kanban: Produktion nach Bedarf
    2) Kaizen (ständige Verbesserung): 5 S bei Kaizen; Muda
    4) Management by View: Fehler sichtbar machen
    5) Qualitätskontrollen
    6) Standardisierung (auch ungelernte MA lernen Prozesse rasch
    7) Teamarbeit
    8) Visualisierung
    9) Poka Yoke: Narrensicherheit
    10) Qualitätszirkel: Einbezug MA
    11) Jidoka: Vorgang stoppen, sobald Fehler erkannt wird
    12) Flexible Arbeitszeiten
    13) Standortoptimierung: Nahe beim Kunden und nahe beim Lieferanten, Standortentscheidung mit Einbezug Anspruchsgruppen
    14) Lagerbestandoptimierung

    Durch diese Auflistung ist nun auch ersichtlich, dass JIT kein Extremfall ist, und eine Produktion ohne Lager gar nicht möglich ist.

  2. Klar, eine Produktion ohne Lager ist nicht möglich. Aber ich würde sagen, dass JIT stark in Verbindung zu Lagerbestandsüberlegungen gebracht werden kann. Die Grundidee bei JIT ist ja gerade, dass durch Reduktion von Veriablität (also Schwankungen, siehe Fragestellung) ein konstant gleicher Materialfluss erreicht wird, wodurch die Lagerhaltung reduziert werden kann. JIT ist also ganz wesentlich bei der Frage nach Lagerhaltungskosten! Ob ich ein Lagerhaus von 1600qm habe, weil ich meine Nachfrageschwankungen nicht in den Griff kriege, oder ob ich meine Variablität der Nachfrage abbauen kann und dank JIT nur noch ein Lager von 400qm brauche, hat sehr wesentlich mit Lagerhaltungskosten zu tun. Natürlich hat JIT neben den Lagerhaltungskosten auch andere (philosophische) Überlegungen. In der Praxis kann ich mir aber vorstellen, dass diese JIT-Philosophie letzentlich wenigen konkreten Zielsetzungen dient, unter anderem eben eine Reduktion der Lagerhaltunskosten.

  3. Ja da bin ich mit dir einig, JIT hat viel mit Lagerhaltung zu tun. Ich habe ja auch nur JIT in einen ganzheitlichen Betrachtungszusammenhang gebracht (Punkt 13 und 14 könnte natürlich auch ganz am Anfang stehen), die Nummerierung ist nicht priorisiert. Aber die grosse Aufzählung gehört eigentlich ansonsten ins Gebiet: Produktionsmanagement oder Supply Chain Management. JIT wird in der Praxis in der Automobilindustrie (z. B. Japan) verwendet. Und Kanban eignet sich ganz gut. Das ganze ist heute sogar sehr IT-professionalisiert, oft alles elektronisch (PC-Monitore, Datenbanken etc.) statt Karten etc.

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