Erklärung Videoverleih S.288 – 293
Auf eine Anfrage per Mail hin erkläre ich nachfolgend das Video-Verleih Beispiel von Seite 288 – 293. Ich hoffe, meinen schriftlichen Ausführungen kann man einigermassen folgen. Mündlich zu erklären wäre hier sicherlich einfacher.
Vorbemerkung: Das Beispiel von S. 288 – 293 illustriert, wie mit einem intelligenten Vertragsdesign alle Akteure einer Supply Chain (Grossverteiler, kleinere Läden, Kunden) einen höheren Profit erzielen. Es geht also beim Vertragsdesign darum, den Nutzen der gesamten Supply Chain zu maximieren.
Seite 288 und 289 zeigen die Ausgangslage. Es geht um eine Supply Chain für einen Videoverleih: der Kunde geht in eine Filiale von Blockbuster, wo er für 3 Euro pro Tag einen DVD mieten kann. Das Unternehmen Blockbuster seinerseits bezieht die zu vermietenden Videos vom Grossverteiler Sony für 60 Euro pro DVD. Sony wiederum bezieht die DVDs beim Hersteller für 1 Euro pro DVD. Für diese Annahmen zeigt Folie 289 die Supply Chain. Blockbuster bestellt bei Sony 10 DVDs. In den ersten Wochen wollen aber 50 Leute die DVDs sehen, so dass der Servicelevel (Anzahl Kunden, die den DVD ausleihen können DURCH Anzahl Kunden, die den DVD ausleihen möchten) nur 20% beträgt (10 / 50 = 0.2) (Man erkennt aus der Graphik auf Seite 289 dass die Nachfrage der Blockbuster-Kunden in den ersten 2 Wochen 50 DVDs und in den nächsten 8 Wochen 10 DVDs beträgt.) Wie viel verdienen nun die einzelnen Supply-Chain-Mitglieder?
- - Sony verdient 590 Euro, da es 10 DVDs für je 59 (60 – 1, da Sony 1 Euro pro DVD an den Hersteller zahlen muss) an Blockbuster verkauft.
- - Bluckbuster verdient 1500 Euro, da 700 x 3 – 600 = 1500. 700 setzt sich dabei zusammen aus den 10 von Sony gekauften DVDs x 7 Tage x 10 Wochen. 3 entspricht dem Preis der DVD pro Tag. 600 sind die Kosten von Blockbuster, um 10 DVDs für 60 Euro pro DVD bei Sony zu kaufen.
- - Die Gesamte Suppy Chain verdient also 590 Euro (Sony) + 1500 Euro (Blockbuster) = 2090.
Ist es nun möglich, dass Sony und Blockbuster Verträge aushandeln, die ihnen beide erlauben, ihren Profit zu steigern? Die Variationen des Beispiels auf Seite 290 – 293 zeigen, dass dies möglich ist.
Seite 290 und 291 zeigen eine alternative Möglichkeit zu vorhin. Bei der Supply Chain Optimierung auf S. 290 wird angenommen, Sony und Blockbuster wären ein einziges Unternehmen. In diesem Fall zahlt der Kunde (wie vorhin) 3 Euro pro Tag und DVD als Miete an dieses Einheitsunternehmen. Das Einheitsunternehmen zahlt seinerseits 1 Euro pro DVD an die Hersteller. Auf Seite 291 wird das Beispiel konkretisiert. Die Bestellmenge beträgt jetzt 50 DVDs. (also mehr als beim ersten Beispiel). Das bedeutet, dass alle 50 Kunden, die in den ersten beiden Wochen einen DVD ausleihen möchten, auch einen DVD ausleihen können. (siehe Graphik auf S. 291). Der Servicegrad beträgt also 100%: Kein Kunde wird enttäuscht. Dies ist schon eine Verbesserung zu vorhin. Doch wie viel verdient nun diese Supply-Chain aus einem Einheitsunternehmen?
- - Das Einheitsunternehmen verdient 3730 Euro, da (14 x 50 + 56 x 10) x 3 – 50 = 3730 Euro. Wie setzt sich dieser Betrag zusammen? 14 x 50 bedeutet, dass in den ersten 14 Tagen (also 2 Wochen) 50 DVDS ausgeliehen werden pro Tag. 56 x 10 bedeutet, dass in den nächsten 56 Tagen (also 8 Wochen) 10 DVDs ausgeliehen werden pro Tag. Zusammen ergeben sich die totalen DVDS pro Tag. (Diese Zahlen sind aus der Nachfragegraphik von Seite 291 herauslesbar) Man multipliziert mit 3, weil ein Kunde pro Tag und DVD 3 Euro zahlt. 50 werden abgezogen, da dem Einheitsunternehmen für seine 50 verleihbaren DVDs je 1 Euro an Kosten anfallen. Somit ergibt sich: (14 x 50 + 56 x 10) x 3 – 50 = 3730 Euro.
- - Ergebnis: Im Vergleich zu S.288 und 289 verdient die gesamte Supply Chain 3750 – 1500 = 1250 mehr! Geändert haben wir nur den Vertrag, indem wir aus Sony und Blockbuster ein Unternehmen gemacht haben.
Seite 292 und 293 greifen dieses Resultat auf. Hier wird gezeigt, wie der maximal mögliche Supply-Chain-Ertrag von 3730 erreicht werden kann, wenn Sony und Blockbuster als einzelne Unternehmen bestehen bleiben, aber einen Vertrag zusammen aushandeln. Der Vertrag sieht wie folgt aus: Blockbuster erhält von jedem Kunden weiterhin 3 Euro pro Tag und DVD, behält davon aber nur 1.8 Euro (nicht wie vorher 3 Euro) und leitet die restlichen 1.2 Euro direkt an Sony weiter. Dafür muss Blockbuster nur noch 8 Euro pro DVD an Sony zahlen. (nicht wie vorher 60 Euro). Sony erhält pro Kunde, DVD und Tag von Blockbuster die oben erwähnten 1.2 Euro. Sony zahlt weiterhin 1 Euro pro DVD an den Hersteller. Wie wirkt sich dieser koordinierte Vertrag nun aus? Seite 293 gibt die Antwort.
- - Sony verdient mit dem koordinierten Vertrag 1862, da -50 x 1 + (14 x 50 + 56 x 10) x 1.2 + 8 x 50 = 1862. Wie setzt sich das zusammen? -50 x 1 sind die Kosten, die Sony dem Hersteller für den Kauf der DVDs zahlen muss. Dies Kosten werden abgezogen. (14 x 50 + 56 x 10) x 1.2 kommt auf die gleiche Art zustande wie schon bei Seite 290 und 291 erklärt. 8 x 50 sind die 8 Euro, die Blockbuster pro DVD an Sony bezahlt.
- - Blockbuster verdient mit dem koordinierten Vertrag 1868, da – 8×50 + (14 x 50 + 56 x 10) x 1.8 = 1868. Die -8 x 50 sind die Kosten, die Blockbuster durch den Kauf der DVDs bei Sony von 8 Euro pro DVD entstehen, daher werden diese Kosten abgezogen. Hinter (14 x 50 + 56 x 10) x 1.8 stecken die gleichen Überlegungen wie schon bei Sony.
- - Zusammen verdient die Suppy Chain mit dieser Art Vertrag 1862 + 1868 = 3730.
Man vergleiche dieses Resultat mit der ursprünglichen Ausgangslage auf Seite 288 und 289. Sowohl Sony als auch Blockbuster verdienen durch diesen koordinierten Vertrag mehr. Auch der Kunde hat etwas davon, da der Servicelevel nun 100% beträgt und somit höher ist als die ursprünglichen 20%.
Das Beispiel zeigt also, wie Sony und Blockbuster durch ein intelligentes Vertragsdesgin ihre Supply Chain zum Nutzen aller optimieren konnten.

Hey danke vüu mou für die usfüehrlechi Erklärig…..Isch e super Hilf!!!!!